Konrad Beikircher (c) Heiligtumsfahrt Mönchengladbach 2014

Reliquien: Hauptsache, es hilft

Konrad Beikircher
Freitag, 20. Juni 2014
Garnet Manecke

Konrad Beikircher zeigte in der Münsterbasilika, dass eine Heiligtumsfahrt auch humorvolle Seiten hat

Ist Reliquienverehrung heute überhaupt noch angemessen? Der Kabarettist Konrad Beikircher hat sich im Vorfeld zur Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach darüber Gedanken gemacht. Mit einem humorvollen Abend in der Münsterbasilika ließ er das Publikum daran teil haben.

Die katholische Welt ist bunt, und es gibt viel zu lachen. Das ist das Fazit des Abends mit Konrad Beikircher. Der Kabarettist hat sich den „Heiligen Knöchelchen“ gewidmet und sie „schräg betrachtet“. Mit kölsch-rheinischem Witz und Charme kreist er dabei um die Themen herum, macht hier einen Ausflug in eine Geschichte und garniert dort noch etwas mit einer Randbemerkung, bis
er schließlich auf den Punkt kommt und sich die Pointe in den Kirchenraum entlädt.

Die Reliquienverehrung ist Balsam für die Seele

Dass in der Münsterbasilika gelacht wird, ist den Gladbachern nicht fremd. Es gibt hier Geistliche, die den Gottesdienstbesuchern
nicht nur den Segen spenden, sondern den Frauen und Männern mit humorvollen Predigten gerne auch ein Schmunzeln mit auf
den Weg geben. Konrad Beikircher setzt da noch einen drauf, indem er vor der Heiligtumsfahrt die Verehrung von Reliquien
genüsslich durch den Kakao zieht. Das macht er mit so viel Respekt und Sympathie für die Menschen, dass er nie verletzend ist.

Beikircher, der selbst bis zum Abitur eine Franziskaner-Schule besuchte, beschäftigt sich in seinen Büchern und Kabarett-
Programmen gerne mit den skurrilen Seiten des Glaubens. Und derer gibt es, wie in allen anderen Bereichen des menschlichen Daseins auch, mehr als erwartet. „Wenn Du in Loreto im Haus Mariens stehst und Dir die kleine Lücke ansiehst, durch die der  Erzengel gekommen sein soll, da weißt Du nicht: Sollst Du beeindruckt sein oder sollste lachen“, sagt er in kölschem Ton. „Auf jeden Fall biste ergriffen.“

Aber wer erwartet, dass sich Beikircher über die Reliquienverehrung lustig machte, der wird auf liebenswerte Art eines Besseren belehrt. Denn Beikircher hat ein unschlagbares Argument: „Wenn et hilft.“ Dabei hat er den Placebo-Effekt, den der Glaube an eine
Reliquie innehat, im Auge. Und das kann er auch belegen: Zum Beispiel mit einer Studie an unheilbar kranken Krebspatienten, die angeblich ein neues Medikament gegen Krebs testen sollten. „Da wurde ein Riesenbrimborium gemacht und dann bekamen
alle Patienten einen Placebo“, berichtet Beikircher. „Am Ende haben 60 Prozent von ihnen noch über sieben Jahre weitergelebt. Obwohl die Ärzte auf ihre Chancen keinen Pfifferling mehr gegeben hätten.“

Ob das Stück Tuch, das in Mönchengladbach als Teil des Abendmahlstischtuchs verehrt wird, echt ist, hält Beikircher zwar für unerheblich – aber möglich. Immerhin stamme es aus dem ersten Jahrhundert. „Früher waren die Menschen doch auch praktisch“, meint der Kabarettist. „Da hat einer gedacht: Hebstes mal auf, wer weiß, wofür et jot is.“

Heilige haben heute auch noch eine Berechtigung

Auch Heilige haben noch heute ihre Berechtigung und sind in einer Gesellschaft, in der Spaß eine große Rolle spielt, sogar hochmodern. „Zu Heiligen kannst Du aufschauen und mit ihnen abfeiern“, sagt Beikircher. Als Beweis dient ihm die heilige  Adelheidis, die während einer Dürreperiode die Idee hatte, an einem Ort in Bonn einen Brunnen zu vermuten – ein Pützchen.
Das Wasser der Adelheidquelle soll helfen bei Augenkrankheiten. „Und jedes Jahr, wenn die Kirmes ,Pützchens Markt‘ stattfindet, gehen Tausende zu der Quelle und benetzen ihre Augen mit dem Wasser“, berichtet Beikircher. „Manche ganz verstohlen, andere
verschämt oder mit Stolz.“ Ob Aberglaube oder nicht: Am Ende ist es Balsam für Seele und Herz.